Vom Rittergut zur Großkläranlage – Hightech in Waßmannsdorf

Die Beckenlinien des Klärwerks aus der Luft
September 2021

Den besten Blick auf eine der größten und modernsten Kläranlagen Deutschlands, in der das Abwasser aus Neukölln, Marienfelde, Tempelhof und dem südwestlichen Berliner Umland entsorgt wird, hat man unmittelbar nach dem Start vom BER. Kaum hat das Flugzeug die Startbahn in Schönefeld verlassen, fällt die Baustelle ins Auge: Das Klärwerk Waßmannsdorf mit den charakteristischen Faultürmen, den kreisrunden Nachklärbecken und dem großen Betriebsgebäude wird mit mehreren hundert Millionen Euro umfangreich erweitert, nachgerüstet und modernisiert.
Auf der derzeit größten Baustelle der Wasserbetriebe drehen sich Baukräne, Abraumhalden werden aufgetürmt und Tag für Tag liefern LKW Baumaterial. Das Klärwerk macht sich fit für das 21. Jahrhundert.

Mit der Grundsteinlegung für den neuen Mischwasserspeicher im Jahr 2017 begannen die Baumaßnahmen. Der Speicher, gleichsam ein riesiger „Abwasserparkplatz“ mit einem Fassungsvermögen von 50.000 Kubikmetern, ist inzwischen fertiggestellt. Nun sind die zusätzlichen Reinigungslinien im Bau, eine Prozesswasserbehandlungsanlage kommt hinzu und schließlich eine vierte Reinigungsstufe. Den Abschluss bildet dann der Bau einer hochmodernen Klärschlammverwertungsanlage.

Begonnen hatte alles im Jahr 1890. Da trafen die kommunalen Abwasserstrategen der damals selbstständige Landgemeinde Rixdorf (heute Bezirk Neukölln) eine wegweisende Entscheidung. Die Gemeinde erwarb wenige Kilometer entfernt ein weitläufiges, rund 600 Hektar großes Gelände, das ehemalige Rittergut Waßmannsdorf, um dort künftige Rieselfelder anzulegen und zur Entsorgung ihres Abwassers zu nutzen. Damit begann eine dynamische Standort- und Technikgeschichte, die bis heute andauert. Und wenn alles planmäßig läuft, dann sind die Baumaßnahmen rechtzeitig zum 100.Geburtstag des Klärwerks im Jahr 2025 fertig gestellt – wahrlich ein Grund zum Feiern.