Ernteherbst auf Großbaustelle Klärwerk Waßmannsdorf: Weitere Anlagen fertig

Alles Neu: Beckenlinien, Mischwasserspeicher (oben links) und Prozesswasserbehandlung (oben rechts)
Oktober 2021

Die beiden neuen Beckenlinien im Klärwerk Waßmannsdorf – beide für sich würden anderswo bereits als Großstadtklärwerk durchgehen – haben ihre Wasserprobe bestanden und gehen im Herbst 2021 in den regulären Betrieb. Beinahe gleichzeitig wird auch die Prozesswasserbehandlungsanlage fertig.

Während die Beckenlinien die Kapazität des Werkes um mehr als ein Viertel erweitern und damit dem Wachstum in der Flughafenregion Rechnung tragen und der seit zwei Jahren fertige Mischwasserspeicher für Reserven bei starkem Regen sorgt, hebt die Prozesswasseranlage die Ablaufqualität bei Stickstoff deutlich. Sie ist eine von derzeit zwei im Bau befindlichen weitergehenden Reinigungsstufen. Denn sie rückt vor allem dem Ammonium zuleibe, das in der Brühe enthalten ist, die beim Entwässern des Klärschlamms entsteht und auf die die Bakterien in der bisherigen biologischen Reinigungsstufe wenig Appetit verspüren. Ein Bakterium gibt es aber, dessen Leibspeise Ammonium ist – die Planctomyceten. Weil die aber wiederum gern von den anderen Mikroorganismen verputzt werden, haben wir ihnen ein Extra-Haus gebaut. Im Ergebnis gelangt also weniger Stickstoff in den Teltowkanal, was dessen Algen auf Diät setzt und damit sein Wasser klarer macht.

Die zweite zusätzliche Reinigungsstufe, das ist die Flockungsfiltration für die von den Bakterien nicht ganz restlos zerlegte Phosphorverbindungen, wächst jeden Tag ein Stückchen mehr aus ihrer gigantischen, 17 Meter tiefen Baugrube am nordöstlichen Werksrand. Wenn sie 2024 in Betrieb geht, dann werden in ihren Becken dem schon weitestgehend gereinigten Abwasser Metallsalze als Flockungsmittel zugegeben und die entstehenden Phosphorflocken dann in einem Sandfilter abgeschieden. Das ist eine probate Technik, die in Berlin etwa für die Reinheit der Grunewaldseen oder des Tegeler Sees sorgt und jetzt auch in allen Klärwerken installiert wird, wobei Waßmannsdorf den Anfang macht.