Hintergründe

Zu sehen sind zwei der Faultürme aus der Froschperspektive.

Die wachsende Stadt und die Erderwärmung beanspruchen nicht nur die Kanalisation, sondern auch die Klärwerke stärker. Um das Abwasser von Menschen, Gewerbe und Industrie und auch das Regenwasser weiter auf höchstem Niveau reinigen zu können, müssen die Kapazitäten des Klärwerks erhöht werden. Insgesamt wird sie von 180.000 m³/ Tag auf 230.000 m³/Tag (bei Trockenwetter) erhöht. Die Wasserbetriebe investieren hier insgesamt ca. 275 Millionen Euro. Das hilft vor allem dem Teltowkanal, aber auch der Spree und damit letztlich immer der Havel.

Der Ausbau erfolgt in zwei Schritten: Zunächst wird die Kapazität des Werks erweitert, in einer zweiten Ausbaustufe wird die Abwasserreinigung in Waßmannsdorf auf den modernsten Stand gebracht. Der erste Spatenstich für den Ausbau der Kläranlage fand im April 2017 statt. Der Mischwasserspeicher mit einem Fassungsvermögen von 20 olympischen Schwimmbecken soll im Frühjahr 2019 in Betrieb gehen, zwei zusätzliche biologische Beckenlinien, die Prozesswasserbehandlung und Schlammbehandlung folgen Mitte 2021. In der zweiten Stufe wird das Klärwerk mit einer erweiterten Abwasserreinigung (sog. „vierte Reinigungsstufe“), einer Anlage zur Phosphorentfernung (sog. „Flockungsfiltration“) ausgerüstet. Sie soll 2023 fertig sein.

 

Waßmannsdorf ist übrigens der Anfang zur Aufrüstung letztlich aller Berliner Klärwerke mit einer zusätzlichen Stufe zur weitergehenden Phosphorentfernung, um auch vor dem Hintergrund der verschärften Grenzwerte der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie sicherzustellen, dass die gestiegenen Überwachungswerte für die Einleitung des gereinigten Abwassers in die Gewässer eingehalten werden und letztlich auch die Grundwasserressourcen als Reservoir für unser Trinkwasser bewahrt werden.

Ab 2025 ist es gesetzlich untersagt, Klärschlamm als Dünger in der Landwirtschaft einzusetzen. Stattdessen soll der Klärschlamm getrocknet und verbrannt werden. Berlin betrifft diese Neuregelung indirekt: Unser Klärschlamm wird zwar schon seit vielen Jahren komplett verbrannt – etwa zur Hälfte in der Klärschlammverwertungsanlage in Berlin-Ruhleben sowie in Kraft- und Zementwerken. Wenn jetzt aber ein bundesweites Verbot der agrarischen Nutzung kommt, dann werden die Preise auf dem Mitverbrennungsmarkt stark anziehen, so dass der Bau einer eigenen, zweiten Verwertungsanlage sinnvoll wird.

So soll in den Jahren 2022 – 2024 eine weitere in Waßmannsdorf, wo der meiste Klärschlamm anfällt, errichtet werden und im Jahr 2025 betriebsbereit sein. Dort wird Klärschlamm erst getrocknet, verbrannt und dann recycelt oder deponiert. Die Rauchgase werden in zwei Stufen mit modernster Technik gereinigt. Mit der erzeugten Wärme wird Dampf erzeugt, mit dem in einer Dampfturbine Strom hergestellt wird. Die Anlage produziert dabei sogar mehr Strom als sie selber verbraucht. Der Überschuss an Energie wird noch im Klärwerk für die Abwasserreinigung verwendet.

In einer interaktiven 3D-Grafik sehen Sie, wie die Anlage nach Fertigstellung aussehen soll. Hier können Sie auch den aktuellen Stand der Arbeiten an den einzelnen Komponenten verfolgen.  Weitere Informationen zu den einzelnen Anlagen können Sie außerdem in unseren FAQ nachlesen.