Ein Gespräch mit Torsten Kühne, Leiter des Klärwerk Waßmannsdorf

Porträt von Torsten Kühne, Leiter des Klärwerks Waßmannsdorf

„Waßmannsdorf und das Klärwerk gehören zusammen“

Herr Kühne, seit über 100 Jahren wird in Waßmannsdorf Abwasser gereinigt – erst auf Rieselfeldern, seit 1935 auch im Klärwerk. An diesem Traditionsstandort wird sich die nächsten Jahre einiges bewegen. Erzählen Sie ein bisschen darüber!

Das stimmt, Waßmannsdorf ist für die Wasserbetriebe und für die Gemeinden des Märkischen Abwasser- und Wasserzweckverbandes MAWV ein Standort mit Geschichte. Waßmannsdorf und das Klärwerk gehören zusammen. Viele, die hier leben, arbeiten im Werk. Deshalb ist mir auch wichtig zu betonen: Waßmannsdorf ist vor allem ein Standort mit Zukunft.

Was bedeutet das konkret?

Wir erweitern das Klärwerk und bringen es technisch auf den neuesten Stand. Dazu bauen wir nicht nur einen riesigen Mischwasserspeicher, sondern auch zwei neue Beckenlinien. Außerdem wird eine Anlage zur Reinigung unseres Prozesswassers errichtet. Das ist das Wasser, das beim Entwässern unseres Klärschlamms anfällt.

Warum sind diese Baumaßnahmen nötig?

Zum einen sind sie nötig, um die geforderten Umweltwerte für Phosphor und Stickstoff einhalten zu können. Damit sichern wir vor allem die Gewässerqualität in Nuthe, Teltowkanal und Havel. Zum anderen werden wir es aufgrund von Bevölkerungswachstum und zunehmenden Starkregenereignissen mit immer mehr Abwasser zu tun bekommen, welches das Klärwerk im Zweifel in kürzester Zeit erreicht. Dies kann nicht nur in einer erweiterten Anlage besser gereinigt, sondern im Mischwasserspeicher zunächst auch zwischengespeichert werden.

Was passiert mit dem gereinigten Abwasser?

Das sogenannte Klarwasser wird über unsere Ableiter und über das Rudower Fließ in den Teltowkanal und die Havel geführt. Bei der Abwasserreinigung fällt jedoch auch Klärschlamm an. Der wird derzeit noch auf drei Arten verwertet: Wir faulen ihn und machen ihn zu Energie, gewinnen Phosphor zurück und das, was übrig bleibt, wandert in Zementfabriken und andere Industrieanlagen und wird dort verbrannt.

Was passiert künftig mit dem Klärschlamm?

Um ihn komplett thermisch zu verwerten und auch den enthaltenen Phosphor besser nutzen zu können, bauen die Berliner Wasserbetriebe ab 2022 in Waßmannsdorf eine Anlage zur thermischen Klärschlammverwertung. Klärschlämme werden hier zu Erneuerbarer Energie, und aus der entstehenden Asche wird Phosphor zurückgewonnen.

Torsten Kühne (52), ist seit fast drei Jahren Leiter des Klärwerks Waßmannsdorf. Zuvor war der gelernte Kfz- Mechaniker und techn. Betriebswirt bei den Berliner Wasserbetrieben als Projektverantwortlicher tätig. Der gebürtige Randberliner lebt in Sichtweite seines Klärwerkes und fährt am liebsten mit dem Fahrrad zur Arbeit.