Der Ausbau in Waßmannsdorf

Was wird in Waßmannsdorf gebaut?

Das Klärwerk Waßmannsdorf wird erweitert und modernisiert. Der Ausbau erfolgt in zwei Stufen. In der ersten Stufe geht es um die Erweiterung der Kapazitäten des Klärwerks. Hierfür werden ein Mischwasserspeicher und zwei zusätzliche Reinigungslinien zu den bestehenden vier gebaut. Zudem werden eine Prozesswasserbehandlungsanlage und die Anlage zur Schlammbehandlung erweitert. In der zweiten Stufe wird das Klärwerk mit einer erweiterten Abwasserreinigung (sog. „vierte Reinigungsstufe“, einer Anlage zur Phosphorentfernung (sog. „Flockungsfiltration“) ausgerüstet. Den Erweiterungen ist von 2012 bis 2016 ein Umbau der bestehenden Linien zugunsten einer besseren Stickstoffentfernung vorausgegangen.

Neben der Erweiterung und Modernisierung des Klärwerks selbst wird eine Anlage geplant, in der Klärschlamm thermisch verwertet wird. Der Schlamm stammt aus der Reinigung von Abwässern aus Berlin und diversen Brandenburger Gemeinden.

Warum wird das Klärwerk erweitert und technisch auf den neuesten Stand gebracht?

Das hat verschiedene Gründe. Durch die wachsende Stadt und den Klimawandel wird nicht nur die Kanalisation stärker beansprucht, sondern auch die Klärwerke. Um das Abwasser von Menschen, Gewerbe und Industrie und auch das Regenwasser weiter auf höchstem Niveau reinigen zu können, müssen die Kapazitäten des Klärwerks erhöht werden. Mit dem geplanten Mischwasserspeicher soll, wenn bei starkem Regen die Klärwerkskapazität voll beansprucht ist, ein Teil des Abwassers zunächst „zwischengespeichert“ werden, bevor es dann im Klärwerk gereinigt wird – auch in den beiden geplanten neuen Beckenlinien des Klärwerks. Das vermeidet Überläufe der Kanalisation und schützt die Gewässer.

„Wo gehobelt wird, fallen Späne.“ Das heißt konkret: Steigt die Reinigungsleistung, fallen auch mehr Reststoffe an. Deshalb müssen im gleichen Zuge auch die Schlammbehandlungsanlagen und Anlagen zu Biogasverwertung an die steigende Leistung angepasst werden. Die Flockungsfiltration hat schließlich den Zweck, die Phosphorkonzentration im Ablauf des Klärwerks noch einmal deutlich zu senken. Sie folgt technisch demselben Prinzip wie in den beiden Oberflächenwasseraufbereitungsanlagen Tegel und Beelitzhof.

Welche Bedeutung hat das Klärwerk Waßmannsdorf für die Region?

Immer wieder hört man in der Region das Zitat: „Waßmannsdorf ist das Klärwerk“. Da ist Einiges dran. Denn bereits seit den 1890er Jahren wird hier Abwasser behandelt, zuerst auf Rieselfeldern. Die erste technische Anlage ging 1927 in Betrieb und wurde seither erweitert, ergänzt und immer wieder den steigenden Anforderungen angepasst. Das Klärwerk Waßmannsdorf gehört zur Region, reinigt nicht nur Berliner Abwässer, sondern auch Abwässer von Kommunen und Zweckverbänden aus dem südlichen Berliner Umland und bietet Arbeitsmöglichkeiten in der Region. Konkret: Im Jahr 2016 haben die Berliner Wasserbetriebe insgesamt 26 Millionen Kubikmeter Abwasser aus Brandenburg von ca. 593.000 Einwohnern der Städte und Gemeinden rund um Berlin in den Klärwerken der Berliner Wasserbetriebe gereinigt. 593.000 Brandenburger entsprechen rund 25 Prozent der Bevölkerung Brandenburgs. Ähnlich wie Berlin selbst wird auch das Umland weiter wachsen, zum Teil mit zweistelligen Zuwachsraten.

Mit über acht Millionen Kubikmetern liegt das Klärwerk Stahnsdorf bezogen auf seinen Umlandanteil auf Platz 1, gefolgt von Waßmannsdorf und Münchehofe mit jeweils gut sechs Millionen Kubikmeter.

Warum wird in Waßmannsdorf gebaut, die Wasserbetriebe haben doch noch fünf andere Klärwerke!

Das stimmt. Aber Waßmannsdorf ist neben Ruhleben das größte Berliner Klärwerk. Damit haben die hier umgesetzten Maßnahmen auch einen entsprechend großen Effekt für die Umwelt. Außerdem spricht die durch das Bevölkerungswachstum in Berlin und im direkten Umland zunehmend ausgelastete Kapazität unserer Kläranlagen für die Erweiterung. Der Neubau des Waßmannsdorfer Werkes in den 1990er Jahren war ja ursprünglich deutlich größer geplant und wurde dann nur zu zwei Drittel realisiert, als sich die damaligen Wachstumsprognosen als zu optimistisch herausgestellt haben. Nun werden zwei der damals „zurückgestellten“ vier Linien ergänzt. Und der Mischwasserspeicher und die erweiterte Abwasserreinigung kommen „ganz neu“ dazu.

In einer umfassenden Studie aus dem Jahr 2012 wurde ermittelt, dass der Ausbau und die Modernisierung des Klärwerk Waßmannsdorf technische und betriebswirtschaftlich am sinnvollsten ist.

Im Übrigen erhalten alle Berliner Klärwerke im kommenden Jahrzehnt Anlagen zur erweiterten Abwasserreinigung und das Klärwerk Schönerlinde auch einen zusätzlichen Mischwasserspeicher.

Wie sieht der Zeitplan aus?

Der erste Spatenstich für den Ausbau der Kläranlage fand am 3. April 2017 statt. Der Mischwasserspeicher soll im Ende 2019 in Betrieb gehen, die biologischen Beckenlinien, die Prozesswasserbehandlung und Schlammbehandlung folgen Ende 2021. Die Flockungsfiltration hat den Fertigstellungstermin 2023. Die Klärschlammverwertungsanlage könnte in den Jahren 2022 – 2024 errichtet werden und im Jahr 2025 betriebsbereit sein. Mehr Informationen zum Zeitplan und zu den einzelnen Bauschritten erhalten Sie hier.

Die konkreten Ausbauschritte

Was ist eine biologische Reinigungsstufe?

Dazu muss man etwas weiter ausholen. Das Abwasser wird in modernen Klärwerken heute in drei Stufen gereinigt. Man unterscheidet grundsätzlich in die

  1. Mechanische Reinigungsstufe: Hier werden die nicht im Wasser aufgelösten Stoffe, wie zum Beispiel Toilettenpapier, feste Abfälle (fast) jeder Art oder Sand von den Straßen mit mechanischen Rechen sowie durch Absinken im Sandfang und in den Vorklärbecken aus dem Abwasser geholt.
  2. Biologische Reinigungsstufe: In dieser Stufe arbeiten helfen Aber-Milliarden von Bakterien und Kleinstlebewesen dabei, die gelösten Abwasserverschmutzungen, wie zum Beispiel Reinigungs-mittel oder Öle stoffwechselnd abzubauen. Zwei neue Beckenlinien sollen in Waßmannsdorf errichtet werden.
  3. Chemische Reinigungsstufe: Durch die Zugabe von Eisensalzen wird in dieser Stufe vor allem der Phosphor aus dem Wasser entfernt.
  4. Weitergehende Reinigungsstufen: Die modernsten Kläranlagen sind zusätzlich mit einer sog. 4. Reinigungsstufe ausgerüstet. Hier unterscheidet man in 4. Reinigungsstufen zur weiteren Phosphor-Reduzierung (P-Reduzierung) bzw. zur Spurenstoffentfernung. In naher Zukunft werden alle Berliner Klärwerke mit Anlagen zur weiteren P-Reduzierung nachgerüstet und Schönerlinde erhält – basierend auf den ASKURIS-Ergebnissen noch zusätzlich eine Anlage zur Spurenstoffentfernung.

Was ist ein Mischwasserspeicher?

Ein großer – hier 50.000 Kubikmeter, was dem Wasserinhalt von 20 olympischen Schwimmbecken entspricht – Behälter zum Beispiel aus Stahlbeton, der Abwasser aus Haushalten, Gewerbe und Industrie sowie Regenwasser (sog. „Mischwasser“) zeitweise speichert. Hat die Kläranlage wieder genügend Kapazitäten (zum Beispiel weil der Regen vorbei ist), wird der Mischwasserspeicher entleert, gereinigt und steht für die Benutzung wieder zur Verfügung.

Was ist eine Flockungsfiltration?

Flockungsfiltration ist ein chemischer Prozess bei der Abwasserbehandlung, der – vereinfacht gesagt – möglichst viel von dem Phosphor, den die Mikroorganismen nicht geschafft haben, aus dem Wasser holen soll. Durch Zugabe von Eisensalzen als Fällmittel werden im Abwasser Flocken gebildet (sog. Metall-Hydroxidflocken). Kommen diese Flocken mit dem Phosphor im Abwasser in Kontakt, verbinden sie sich zu Metall-Phosphorverbindungen, die dann zum Beispiel in einem Sandfilter entfernt werden können.

Was ist eine Schlammbehandlungsanlage?

Der überschüssige Klärschlamm aus der Vorklärung und der Nachreinigung wird aus den Becken abgezogen, erwärmt (35° C) und in die Faulbehälter gepumpt. Das dort entstehende Biogas wird gereinigt und anschließend in Blockheizkraftwerken verbrannt. Durch diesen Verfahrensschritt können der Wärmebedarf des Klärwerkes zu 100 % und der Elektroenergiebedarf zu ca. 80 % gedeckt werden. Der übrig gebliebene Klärschlamm wird maschinell entwässert und zurzeit in Kohlekraft- oder Zementwerken genutzt. Zukünftig soll eine eigene Klärschlammverwertungsanlage am Standort Waßmannsdorf gebaut werden.

Was ist eine Prozesswasserbehandlungsanlage?

Das Prozesswasser fällt an, wenn der Klärschlamm entwässert wird. Spezielle Bakterien, die nur bei Temperaturen größer 25° Celsius optimal funktionieren, reduzieren in der Anlage mehr als 85 % des Ammoniums und 80 % des anorganischen Stickstoff.

Warum wird die Klärschlammverwertungsanlage gebraucht?

Früher wurden alle Klärschlämme als Dünger auf landwirtschaftliche Flächen aufgebracht. Wegen der zunehmenden Mengen an Schadstoff en im Klärschlamm ist dies nicht mehr überall möglich. Die Wasserbetriebe haben die landwirtschaftliche Nutzung des Klärschlamms bereits 1985 eingestellt.

Ab 2025 ist es gesetzlich untersagt, Klärschlamm als Dünger in der Landwirtschaft einzusetzen. Stattdessen soll der Klärschlamm getrocknet und verbrannt werden. Berlin betrifft diese Neuregelung indirekt: Unser Klärschlamm wird zwar schon seit vielen Jahren komplett verbrannt – etwa zur Hälfte in der Klärschlammverwertungsanlage in Berlin-Ruhleben sowie in Kraft- und Zementwerken. Wenn jetzt aber ein bundesweites Verbot der agrarischen Nutzung kommt, dann werden die Preise auf dem Mitverbrennungsmarkt stark anziehen, so dass der Bau einer eigenen, zweiten Verwertungsanlage sinnvoll wird.

Die Wasserbetriebe betreiben übrigens bereits seit 1985 eine Klärschlammverwertungsanlage in Berlin-Ruhleben – mitten in der Stadt. Deren Kapazitäten reichen aber nicht für die gesamte Menge Klärschlamm aus.

Warum wird die Klärschlammverwertungsanlage in Waßmannsdorf gebaut?

Von den fünf Klärwerken der Wasserbetriebe ohne eigene Verwertung fällt der meiste Klärschlamm in Waßmannsdorf an. Die Anlage wird in Waßmannsdorf errichtet, damit so wenig LKW-Fahrten wie möglich notwendig werden. Das schont auch die Umwelt und die Menschen.
Die Wasserbetriebe betreiben übrigens bereits seit 1985 eine Klärschlammverwertungsanlage in Berlin-Ruhleben – mitten in der Stadt. Deren Kapazitäten reichen aber nicht für die gesamte Menge Klärschlamm aus.

Werden alle Umweltstandards eingehalten?

Ja. Dies sind vor allem für die Abgase die 17. Bundesimmissionsschutzverordnung mit ihren strengen Grenzwerten und für die Gerüche die Brandenburger Geruchsimmissions-Richtlinie. Für den Lärm gelten die Werte der Technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA Lärm). Sie werden selbstverständlich ebenfalls eingehalten.

Was passiert in einer Klärschlammverwertungsanlage genau?

Der Klärschlamm aus Waßmannsdorf sowie der per LKW angelieferte Schlamm werden mit der in der Anlage produzierten Wärme teilgetrocknet und in Wirbelschichtöfen verbrannt. Übrig bleibt nur noch Asche, deren Phosphoranteil zudem künftig recycelt werden soll. Der Rest, der dann übrig ist, muss deponiert werden.

Die Rauchgase werden in zwei Stufen mit modernster Technik gereinigt. Mit der erzeugten Wärme wird Dampf erzeugt, mit dem in einer Dampfturbine Strom hergestellt wird. Die Anlage produziert dabei sogar mehr Strom als sie selber verbraucht. Der Überschuss an Energie wird noch im Klärwerk für die Abwasserreinigung verwendet.

Was bedeutet der Bau für mich als Anwohnerin oder Anwohner?

Wie wirkt sich das Ganze auf die Anrainer aus (Baulärm, Baustellenzufahrt)?

Die Berliner Wasserbetriebe versuchen, die Beeinträchtigungen durch den Ausbau für die Anwohnerinnen und Anwohner auf das Nötige zu beschränken. Die Erweiterung und Modernisierung des Klärwerkes Waßmannsdorf erfolgt während des laufenden Betriebs. Für die Sicherheit des Projektes ist es deshalb wichtig, das Baugeschehen auf dem Gelände klar und eindeutig von den Betriebsanlagen abzugrenzen. Zu diesem Zweck wird für die Investitionen eine eigene Baustellenzufahrt im Nordostteil des Klärwerks geschaffen und das Baufeld klar von den Betriebsanlagen abgegrenzt.

Für die außerhalb des Klärwerks liegende Zufahrt zur Baustelle wurden fünf Varianten untersucht und die Variante mit den geringsten Belastungen für die Anwohner favorisiert. Sie sieht derzeit vor, dass sich der Baustellenverkehr von der Abfahrt A113 (Schönefeld Nord/Süd über die B 96 auf die Waßmannsdorfer Allee, Dorfstraße, Rudower Straße bewegt. Um die Belastungen während der Bauzeit weiter zu minimieren, sind die Berliner Wasserbetriebe in engem Kontakt mit der Gemeinde Schönefeld.

Wie wirkt sich der Bau der Klärschlammverwertung auf Anreiner aus (Baulärm, Baustellenzufahrt)?

Die Wasserbetriebe sind bemüht, die Einschränkungen für die Anwohnerinnen und Anwohner auf das Notwendige zu beschränken. Für konkrete Aussagen zu den Auswirkungen ist es auch angesichts des geplanten Baubeginns im Jahr 2022 noch zu früh. Sie werden im Einzelnen erst in der Umweltverträglichkeitsuntersuchung ermittelt.

Der derzeitige Plan ist, die Baustelle über die Straße am Klärwerk anzufahren. Der Baulärm wird die gesetzlichen Grenzwerte nicht überschreiten.

Wird auch nachts gearbeitet?

Das Baugeschehen für die Erweiterung wird sich auf eine ausgedehnte Tagschicht beschränken, die genauen Zeiten werden mit den Angeboten zu den Ausschreibungen mit den Firmen verhandelt. Unser Ziel ist, die Nachtarbeit auf ein Minimum zu beschränken.

Nach dem Bau

Wie ist die Lärm- und Geruchsbelastung, wenn die Anlage einmal steht?

In den vergangen Jahren wurde viel für die Verminderung der Geruchsbelastung getan. Es wurden große Teile der mechanischen Reinigung abgedeckt und die unter der Abdeckung abgesaugte Luft einer Behandlung zugeführt. Der geruchsintensive Prozess der Schlammtrocknung wurde 2014 stillgelegt, die Anlage wird abgerissen.

Das Klärwerk wird nach seinem Ausbau und der Erweiterung die erlaubten Emissionswerte bei Geruch und Lärm einhalten. Und wir sorgen weiter vor: Der Mischwasserspeicher wird schon heute abgedeckt und mit einer Abluftbehandlung ausgestattet, obwohl er das heute nach den gesetzlichen Bestimmungen nicht müsste. Hier ist schon jetzt für die Zukunft vorgesorgt.

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